Allgemein Wandern

Etappe 4: Über die Johannesscharte: Wandern von der Stettiner Hütte zur Lodnerhütte

Nachdem wir eine Nacht auf der Stettiner Hütte verbracht haben, wagen wir den Weg über die herausfordernde Johannesscharte.
der einschnitt der johannesscharte
Die Johannesscharte: der Weg hinauf führt über loses Geröll und – je nach Jahreszeit – Schneefelder.

Diese Etappe war auf jeden Fall der herausfordernste Teil unserer 5-tägigen Wandertour durch die Südtiroler Berge der Texelgruppe bei Meran. Bereits zu Beginn unserer Wanderung haben wir geplant, nach der Übernachtung auf der Stettiner Hütte, den weiteren Weg über die Johannesscharte fortzusetzen. Dennoch schlafen mein Mann und ich in dieser Nacht schlecht. Erst am Vorabend auf der Stettiner Hütte haben wir von drei Bergsteigern erfahren, dass die Sicherungen der doch nicht ganz so harmlosen Johannesscharte teilweise heraus gebrochen sind. Sie bezweifeln, ob unsere Kinder den Weg schaffen. Wir sind nun besorgt, weil wir den Weg bislang nur aus dem Wanderführer kennen. Doch wir kennen auch die Geschicklichkeit unserer Kinder so gut, dass wir es ihnen schlussendlich zutrauen. Die Alternative – eine langwierige Umgehung der Johannesscharte – ist in unseren Augen keine Erleichterung für unsere Kinder. Also wollen wir es versuchen!

Die Stettiner Hütte vom Eisjöchl aus gesehen.
Blick vom Eisjöchl (2895 Hm) zurück zur Stettiner Hütte.

Hinweis: Im Nachhinein muss ich sagen: ja, unsere beiden Kids (6 und 8 Jahre alt) haben die Johannesscharte super gemeistert, für beide war es offenbar das Highlight dieser Wandertour. Allerdings möchte ich niemandem dazu raten, diesen Weg mit Kindern zu gehen. Die Johannesscharte ist ausdrücklich nur für Geübte und das ist auch richtig so. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind absolut erforderlich! Wir sind regelmäßig mit unseren Kindern in den Bergen unterwegs und wissen, was wir uns und ihnen zutrauen können. Wege und Steige mit heraus gebrochenen Sicherungen suchen wir uns üblicherweise nicht freiwillig aus. Traut man sich in der Johannesscharte weder weiter vor noch zurück, muss im schlimmste Fall die Bergrettung per Hubschrauber angeflogen kommen. Nicht nur, dass der Weg nicht ganz ungefährlich ist, kann solch ein Bergeinsatz ein teures Vergnügen werden.

Hochalpin geht’s dahin über kargen Fels. Wir sind schon gespannt, welche Herausforderungen uns auf der heutigen Etappe und bei der Johannesscharte erwarten.

Jedenfalls ist es an diesem Tag so, dass wir nach dem Frühstück bereits um 8 Uhr morgens von der Stettiner Hütte aufbrechen. Gleich bei der Hütte überqueren wir das riesige Schneefeld und kommen so in fünf Minuten zum Eisjöchl (2895 Hm), dem höchsten Punkt auf unserer 5-tägigen Wanderung durch die Südtiroler Berge der Texelgruppe. Von hier führt der weitere Wanderweg (Wanderweg Nummer 8) sanft bergab über Schneefelder und Felswege. Dann kommen wir bereits zu einer ersten kurzen, ausgesetzten, jedoch mit einer Kette gesicherten Kletterpassage. Dieses Stück ist nicht allzu schwer, allerdings muss man schon schauen, wo man den nächsten Fuß aufsetzt.

Drei Wanderer im hochalpinen Gelände gehen in Richtung Johannesscharte.
Wandern im hochalpinen Gelände der Texelgruppe: noch ein paar Meter, dann geht es über Geröll steil hinauf in Richtung Johannesscharte.

Dann geht es wieder lockerer weiter. Langgezogen führt der Weg über Stein, Geröll und Schnee weiter. Insgesamt brauchen wir von der Stettiner Hütte bis zum Anstieg in Richtung Johannesscharte rund eine Stunde.

Bevor es über die Johannesscharte geht, beginnt einmal der Anstieg. Die Erde ist feucht und rutschig vom heftigen Regen in der Nacht, das Geröll liegt lose am Weg. Steil führt der Wanderweg zur Johannesscharte hinauf, am Einstieg begegnen wir den ersten Wanderern, die aus der entgegen gesetzten Richtung kommen. Sie bestätigen uns, dass die Sicherungen ausgebrochen sind. Der Weg auf der anderen Seite der Johannesscharte, in Richtung Lodnerhütte, ist offenbar leichter begehbar. Gut, schließlich gehen wir hier auch bergab.

Doch noch sind wir nicht oben angekommen. In einem Felseinschnitt gehen wir auf dem rutschigen Geröll vorsichtig weiter bergauf. Weg gibt es im eigentlichen Sinn keinen, nur losen Schotter und rutschiges Felsgestein. Die am Felsen angebrachte Sicherung, eine Stahlkette, gibt uns Halt und stetig gehen wir weiter bergauf. Mit dem schweren Rucksack am Rücken teilweise ein reiner Kraftakt. Hauptsache, die Kette nicht loslassen. Hauptsache, am losen Felsgestein nicht nach unten rutschen.

Neben den bereits komplett heraus gebrochenen Sicherungen, ist eine Sicherung im oberen Bereich sehr wackelig. Mit meinem 20 kg schweren Rucksack hätte ich es nicht geschafft, mich über den Felsvorsprung zu hieven, hätte ich mich nicht für einige Momente mit meinem kompletten Gewicht daran gehängt. Ich hoffe, dass die Sicherung hält und nicht bricht. Nur nicht nach unten schauen!

Drei Wanderer gehen über eine Hochalm zur Lodnerhütte
Nachdem wir die Scharte geschafft haben, geht’s über Hocchalmen dahin in Richtung Lodnerhütte.

Geschafft! Als ich über den Felsen geklettert bin, sind es nur mehr wenige Schritte und ich bin auf der Scharte angekommen. Mein Mann und meine Kinder sind bereits oben. Kurze Verschnaufpause. Mein Mann knotet aus einem mitgebrachten Seil in der Zwischenzeit einen Klettergurt für unsere 6-Jährige. Dann beginnen wir den Abstieg von der Johannesscharte (2856 hm) in Richtung Lodnerhütte. Ausgerechnet jetzt beginnt es zu regnen. Mitten im steilen Hang schaffe ich es, zumindest für meine Kinder den Regenschutz aus meinem Rucksack zu fischen. Regen oder nicht – weiter gehen müssen wir.

ein Wanderer geht am tiroler Höhenweg zur Lodnerhütte
Die Kinder halten bis zur Lodnerhütte tapfer ohne Pause durch: Aufgrund des Wetters beeilen wir uns.

Der Abstieg von der Johannesscharte in Richtung Lodnerhütte ist im Vergleich zum Aufstieg über das Geröll und die heraus gebrochenen Sicherungen einfacher, aber ebenfalls nur für trittsichere Wanderer geeignet. Der Weg ist bereits von oben weg mit Stahlketten gesichert. Nur das letzte Stück ist wieder heraus gebrochen, aber mit Vorsicht zu bewältigen. Außerdem ist die schwierige Kletterpassage auf dieser Seite um einiges kürzer als auf der anderen Seite Richtung Stettiner Hütte.

Eine Frau und ein Kind stehen neben einem Wasserfall
Wasserfälle sehen wir nicht nur, sondern überqueren wir auch regelmäßig auf unserer Wanderung am Tiroler Höhenweg.

Ein kurzes Stück geht der Wanderweg auf einem Grat entlang, dann über Serpentinen hinab und bald wandern wir über Almwiesen und auf Wandersteigen. Berggipfel, Wasserfälle, Schneefelder, grüne Wiesen und weidende Schafe prägen das Bild. Abenteuerlich ist noch die Überquerung eines Wasserfalls. Weiter führt der Weg nach unten.

Video: Beeindruckend sind die unzähligen Wasserfälle, die wir in den fünf Tagen unserer Wanderung durch die Südtiroler Texelgruppe sehen.

Aufgrund des feinen Nieselregens machen wir so gut wie keine Pausen und gehen durch. Angegeben war die Gehzeit von der Stettiner Hütte zur Lodnerhütte mit 3 Stunden 10 Minuten. Mit den Kindern brauchen wir doch länger, wenn auch nicht viel: Um circa 12:30 kommen wir bereits bei der Hütte an.

Wanderin kurz vor der Ankunft auf der Lodnerhütte
Kurz vor der Ankunft auf der Lodnerhütte: sie ist am Tiroler Höhenweg bereits von weitem erkennbar. Im Bild gut zu sehen: mein „kleiner“ Rucksack.

Gemütlich verbringen wir den Nachmittag auf der Lodnerhütte. Bald hört es auf zu regnen und wir machen einen Spaziergang zum nahen Wasserfall. Am Weg zurück zur Hütte entdecken wir die vielen Murmeltierbauten. Hie und da lässt sich sogar ein Murmeltier blicken. Die Lodnerhütte ist offenbar ein idealer Ort zum Murmeltiere beobachten in Südtirol.

Der Kartenausschnitt von Etappe 4: Tag_4_Stettiner_Hütte_Lodnerhütte

Der Weg von der Stettiner Hütte zur Lodnerhütte

Diese Etappe ist Teil einer 5-tägigen Wanderung durch die Südtiroler Berge der Texelgruppe bei Meran. Wenn du mehr über die anderen Etappen erfahren willst, lies hier weiter:

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