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Kleine Bergführer: Tipps zum Wandern mit Kindern

Die ersten Wanderungen mit Kindern stellen Eltern vor viele Fragen und Herausforderungen. Mit folgenden Tipps klappt es!

Endlich können wir wieder wandern gehen und ich denke mir: Was bin ich froh, dass diese Kleinkindjahre endlich vorüber sind! Klar, stimmt schon, sie sind ja herzig, die tollpatschigen Kleinen und als Mama kümmert man sich auch liebend und von ganzem Herzen um sie. Als outdoor-hungrige Bergsportlerin aus der Stadt, bei der hinter der Haustür nicht gleich der nächste 3.000er beginnt, kann man es dann aber nicht mehr erwarten, bis die Kleinen aus dem Gröbsten heraus sind – genauer: auf den Berg mitkommen können. Und zwar alleine gehend, ohne Tragegestell. Denn bei zwei Kindern im Abstand von 2 Jahren ist auch mit Trage mehr als ein Tagesausflug nicht drinnen, schon allein wegen dem zu schleppenden Gewicht, und auch wegen dem Geraunze der Kinder. Die Kleinen finden es – verständlicherweise – gar nicht spannend, den ganzen Tag durch eine noch so schöne Landschaft geschleppt zu werden. Und unter dem nervtötenden Gewimmer der Kinder verliert jede noch so atemberaubende Kulisse schnell ihren Reiz.

Ein Kind sieht eine Kuh auf der Alm.
Beim Wandern haben Kinder die Möglichkeit, echte Kühe auf der Alm zu erleben.

Erste Versuche

Aber letztes Jahr, im Sommer 2017, ging’s los, die Kinder waren 4 und 6 Jahre alt, die erste 2-tägige Wanderung mit Hüttenübernachtung stand am Programm und es war super. Wäre das Wetter besser gewesen, hätte die Tour sogar drei Tage gedauert. Wir waren damals in der Gegend von Großarl unterwegs, am Salzburger Almenweg, und diese Tour kann ich jedem als Einstiegstour zum Wandern mit Kindern nur empfehlen! Denn Artikel findet ihr zum Nachlesen übrigens hier!

Zweite Schritte

Zwei Kinder gehen über das Schneefeld.
Kinder lieben Schnee. Und je abenteuerlicher der Weg ist, umso besser. Hier führt die Wanderung über ein Schneefeld.

Nachdem es letztes Jahr so gut funktioniert hat, haben wir heuer, im Juni 2018, gleich ein Wochenende auf der Rax, mit Hüttenübernachtung am Karl-Ludwig-Haus, gewagt. Diese Tour, die ihr hier nachlesen könnt, hat ebenfalls sehr gut funktioniert und uns aber auch wieder neue Inputs gegeben, was den Kindern am Berg Spaß macht und vor allem, wie wir sie motivieren können, wenn sie doch einmal ein kleines Laune-Tief bekommen.

Was mir hier klar geworden ist: je abenteuerlicher der Weg ist, umso mehr Spaß macht es auch den Kindern. Forststraßen sind langweilig, Schneefelder und Wegstücke, wo es auch einmal etwas ausgesetzter hinauf geht, sind spannend. Logisch, eigentlich.

Zwei Nächte auf der Hütte: Abenteuer pur

Im Sommer wollten wir in den Hohen Tauern schließlich eine 4-Tages-Tour mit den Kindern wagen – eine Hütte war bereits voll, jetzt wurden es nur 3 Tage und 2 Nächte. Für die Kinder hat es gereicht, die Etappen waren anstrengend genug und besser so, als es wäre ihnen vielleicht wirklich zu viel geworden und sie hätten dann für alle Zukunft die Lust an den Bergen verloren. Falls ihr nach einer geeigneten Tour für euch und eure Kinder sucht, könnt ihr ja mal hier hinein schmökern! Für die Kinder gab es jedenfalls so vieles zu entdecken – vom Naschen wilder Beeren über das Baden in Gebirgsseen bis hin zum Fangen von kleinen Hasen (zumindest den Versuchen) -, dass jeder Tag in den Bergen für sie ein Abenteuer war!

Zwei Kinder füttern zwei Pferde.
Freilaufende Pferde auf der Alm – „Wildpferde“ – vorsichtig mit dem letzten mitgebrachten Apfel füttern: Das sind Eindrücke, die im Gedächtnis bleiben.

Wie findet man nun die richtige Motivation?

Als Rückmeldung zu meinen Wander-Erzählungen höre ich gelegentlich Kommentare wie: „Wow, bewundernswert, dass eure Kinder das machen. Mit unseren ginge das nicht.“ Erzählt wird von der Unlust und vom Gejammer der Kinder. Aber immer wieder klingt auch die Frage durch, wie wir das denn schaffen und was wir denn leicht machen, um unsere Kinder fürs Wandern zu begeistern.

Vier Bilder zeigen Heidelbeersträucher, Kinder beim Heidelbeerpflücken, Heidelbeeren in der Hand und Heidelbeeren auf einem Keks.
Frische Heidelbeeren und Kekse – die perfekte Gute-Laune-Kombination.

Was wir machen? Anfangs gar nichts. Zumindest nicht viel. Als wir 2017 den Salzburger Almenweg gegangen sind, haben wir gesagt, wir probieren es einfach einmal aus und haben gehofft, dass es funktionieren wird. Was uns zugute kam, war, dass dieser Teil des Salzburger Almenwegs speziell auf Kinder ausgerichtet ist: die Hütten stehen nicht weit voneinander entfernt, bei jeder Hütte gab es einen Spielplatz und Tiere bzw. einen Streichelzoo.

Was unseren Kindern darüber hinaus sehr gut gefallen hat: schöne Steine („Bergkristalle“) sammeln, wilde Heidelbeeren von den Sträuchern naschen, Steinpilze und Eierschwammerl sammeln (ja, es war einfach Glück, dass die dort gerade gewachsen sind), die Kühe und Schafe beim Wandern auf den Almen einmal aus nächster Nähe freilaufend zu sehen und zu beobachten. Es war die perfekte Anfangstour!

Anreize finden

Zwei Kinder haben in der Wanderpause ihren Spaß.
Happy am Berg! Mit einem Geschwisterchen gibt es auch beim Wandern meistens etwas zu Lachen.

Klar hat meine damals noch 4-jährige Tochter beim Aufstieg zur ersten Hütte angefangen etwas zu jammern, es ist uns aber immer gelungen, sie abzulenken (Schwammerl, Heidelbeeren, schöne Steine, das Bacherl am Wegesrand), dass es dann doch noch weiterging. Heißer Tipp: Die Aussicht auf das gute Essen auf der Hütte! Unsere lieben zum Beispiel Kaiserschmarren.

Wenn ihr euch fragt, wie ihr euren Kindern das Wandern schmackhaft machen könnt, solltet ihr euch überlegen, was für sie ein Anreiz sein könnte. Ihr kennt eure Kinder am besten und so wie Erwachsene unterschiedlich ticken, interessieren sich nun auch nicht alle Kinder für das gleiche. Wenn ihr als Eltern allerdings gerne wandert, spüren eure Kinder eure Begeisterung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen das Wandern mit euch Spaß machen wird, schon alleine deswegen, weil sie mit euch gemeinsam etwas unternehmen, bei dem sie merken, dass ihr daran Freude habt, ist groß. Ihr müsst euch also noch überlegen, wie ihr eure Wanderausflüge für eure Kleinen so aufpeppen könnt, dass sie auch ihren kindlichen Interessen gerecht werden.

Tipps & Tricks

    • Tiere: Die Möglichkeit, einmal Gämsen, Murmeltiere, Schneehasen oder Adler in freier Wildbahn zu sehen, kann äußerst verlockend sein. Wie realistisch es ist, dass man all die spannenden Tiere wirklich zu Gesicht bekommt, muss man den Kindern ja nicht unbedingt auf die Nase binden! 😉
    • Kleine Bergführer: Auch die Kleinen möchten sich gerne wichtig fühlen und nicht einfach nur stur hinter den Eltern herstapfen. Und was braucht man schließlich am Berg? Genau, Bergführer, die einem den Weg zeigen! Weiterspielen kann man das ganze noch mit Punkten, die die Kinder bei jeder Wanderung sammeln bis zur „Bergführerprüfung“ oder mit kleinen Aufgaben, Weg finden, Bach überqueren etc., bis sie echte Bergfexe sind. Meine Kinder springen auf dieses Punkte-System voll an.
    • Halbedelsteine: Diese hübschen Steine gibt es recht günstig im Internet zu bestellen. Da sich meine Kids jedes Mal über einen solchen Fund freuen, kann es nicht schaden, zwischendurch einmal mit einem schönen Steinchen auszuhelfen und eines davon unauffällig am Weg zu platzieren, wo sie dann sogleich gefunden werden.
    • Kekse: Süßigkeiten sind im allgemeinen nicht besonders gesund und im Alltag sollte der Zuckerkonsum natürlich nicht überhand nehmen. Als Belohnung beim Wandern finde ich sie allerdings in Ordnung, vor allem da die Kinder durch die Anstrengung sowieso ein paar mehr Kalorien mehr benötigen als sonst. Und so eine süße Belohnung zwischendurch hebt auch gleich wieder die Laune.
    • Hüttenstempel sammeln: Haben wir noch nicht gemacht, aber das wäre – gerade wenn die Tour bei mehreren Hütten vorbei geht – auch noch eine Möglichkeit. Vorausgesetzt, euer Kind sammelt gerne.
Der Vater und die Kinder schauen sich die Wanderkarte an.
Beim Wandern lernen die Kinder einiges von den Eltern. Zwischendurch einen Blick auf die Wanderkarte zu werfen, schadet auf keinen Fall.

Noch eine Anmerkung am Rande: Einen kleinen Rucksack haben meine Kinder selbst getragen. Darin waren aber lediglich der Regenschutz sowie die Wasserflasche. Damit war zum einen klar, dass Mama und Papa hier nicht die Packesel sind, zum anderen schadet es nichts, wenn die Kinder alle „schönen“ Steine selbst tragen müssen – dann merken sie nämlich gleich, wie schwer das wird, wenn zu viele Steine in den Rucksack wandern.

Wenn Ihr noch gute Ideen oder Tipps habt, wie sich die Kinder fürs Wandern begeistern lassen, freue ich mich über euer Feedback!

3 Kommentare

  1. Hab das mit den Steinen probiert – hat super funktioniert. Ist aber nicht einfach die Steine heimlich zu platzieren. Danke für den Tipp.

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