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Wandern mit Kindern: 2-Tages-Tour auf der Rax

Mit unseren beiden Kindern sind wir zwei Tage auf der Rax gewandert, Hüttenübernachtung am Karl-Ludwig-Haus inklusive.

Bei strahlendem Sonnenschein führt uns unsere Autoreise von Wien nach Hirschwang am Fuße der Rax. Hier befindet sich die Talstation der Rax-Seilbahn, die uns und unsere beiden Kinder, 5 und 7 Jahre alt, auf den Berg hinauf befördern soll. Wir haben bereits vorab im Internet unsere Bergfahrt-Tickets reserviert – da wir jedoch früher da sind und in der Gondel noch Platz ist, fahren wir bereits um 9 Uhr morgens den Berg hinauf. Auf 1547 Meter Höhe haben wir mit der Bergstation den Ausgangspunkt für unsere 2-tägige Wanderung erreicht. Übernachten wollen wir am Karl-Ludwig-Haus – hier haben wir ebenfalls die Betten vorreserviert und nur mehr die letzten Plätze ergattert.

Vor 9:30 Uhr starten wir also mit unserer Wanderung, die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm, der Himmel ist blau, doch hie uns da lässt sich bereits ein Wölkchen blicken. Gut, dass wir so früh los gegangen sind, für den Nachmittag wurden Unwetter prognostiziert.

Zwei Kinder spielen am Schneefeld
Schnee im Sommer! Die Kinder haben in dem kleinen Schneefeld jedenfalls ihren Spaß.

Schnee, juchee! – Im Juni auf der Rax

Die Kinder hüpfen den Wanderweg Richtung Otto-Schutzhaus entlang. Die bunten Bergblümchen werden bewundert, jeder Schmetterling wird bestaunt und muss fotographiert werden – nächstes Mal müssen wir unbedingt unser Schmetterlingsbuch mitnehmen, schon lange haben wir nicht mehr so viele schöne und verschiedenartige Schmetterlinge gesehen – und schau, da vorne!, das erste Schneefeld unserer Tour ist da und die Kinder rutschen mit ihren Schuhen schon darauf herum. Anfang Juni ist der letzte Schnee immerhin schon eine Weile her!

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Die Kindern suchen sich immer den Weg, der das meiste Abenteuer verspricht.

Kleine Wandersleute auf der Rax

Wegen all der tollen Entdeckungen kommen wir anfangs nicht gar so schnell voran. Allein für den Weg von der Seilbahn zum Otto-Schutzhaus benötigen wir rund eine dreiviertel Stunde, also doch schon 15 Minuten über der beschilderten Zeit. Doch damit haben wir gerechnet. Und haben entsprechende Überzeit in unserer Tour mit den Kindern eingeplant. Die Zeitangaben schwanken etwas, wir sind schließlich von einer durchschnittlichen Gehzeit von 3 Stunden ausgegangen, für den gleichen Weg mit Kindern haben wir sicherheitshalber 5 Stunden (mit Pausen) eingeplant. Oft gibt es schließlich hier etwas zu entdecken oder da etwas zu bestaunen. Dann sind die Beine wieder müde oder der Magen knurrt und die eine oder andere Pause kommt da schnell dazu.

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Wer ist hier müde? Kraxln macht Spaß!

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Da wir heute doch noch einiges vorhaben, gehen wir am Otto-Haus vorbei und weiter Richtung Neue Seehütte, 1643 Meter Seehöhe, die wir nach weiteren rund 1,5 Stunden erreichen. Die Kinder sind mit Freude dabei, jeder Trampelpfad abseits des Hauptweges wird zum Abenteuerweg, auf Felsbrocken wird das Klettern geübt, während einer kurzen Rast entdecken wir gleich zwei Ameisenhügel, es wird gekasperlt und gelacht.

Mit fortschreitendem Weg werden die Beine unserer 5-Jährigen langsam müde, ein kurzfristiger Energieeinbruch wird mit einem Schokokeks überbrückt, bald werden wir auf der Neuen Seehütte ankommen und hier unsere Mittagspause verbringen.

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Schmetterlinge, Blumen, Schneefelder. Auch die Kinder genießen die Wanderung in der Natur.

Entlang der Baumgrenze

Der Weg ist für alpines Gelände vergleichsweise einfach und führt vorbei an Almwiesen, letzten Wäldchen an der Baumgrenze, vorbei an Latschen und über Gestein. Für eine Tour mit dem Kinderwagen ist er bei weitem nicht geeignet, aber der Weg von der Rax-Seilbahn bis hin zur Neuen Seehütte ist immerhin so wenig ausgesetzt, dass er in regelmäßigen Abständen mit dem Traktor befahren wird und die Seehütte mit Vorräten beliefert.

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Gespannt beobachten wir, wie die Ringelnatter einen Molch verschlingt.

Auf der Neuen Seehütte, 1643 m

Auf eben dieser verbringen wir unsere Mittagspause und essen und trinken. Der hausgemachte Topfenkuchen begeistert uns alle. Im kleinen Teich neben den Jausenbänken entdecken Papa und Sohn plötzlich eine Ringelnatter, die vom Teichrand ins Wasser springt, sich einen Molch fängt und diesen am Ufer verspeist. Von Müdigkeit ist bei den Kindern schon als wir auf der Hütte ankommen nichts mehr zu bemerken, es wird gesprungen und gehüpft. Da sich die Wolken am Himmel zunehmend beginnen aufzutürmen, brechen wir nach rund einer Stunde wieder auf und setzen unseren Weg Richtung Karl-Ludwig-Haus fort.

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Je ausgesetzter der Weg, desto spannender für die jungen Wanderer.

Die Kinder wollen Abenteuer!

Wir haben die Wahl zwischen zwei Varianten: der eine Weg führt in 1,5 Stunden über den auf 1902 Metern Höhe gelegenen Predigtstuhl, der andere in 2 Stunden über den Trinksteinsattel (1850 m). Des Wetters und unserer Kinder wegen entscheiden wir uns für den kürzeren Weg über den Predigtstuhl.

Zu unserer großen Überraschung klettern unsere Kids jedoch wie die Gämsen das nun deutlich ausgesetztere Bergwegerl nach oben. Als Reaktion auf unsere Verwunderung meinen unsere Kinder nur lapidar: „Der andere Weg war ja langweilig, hier ist es viel lustiger!“ Oh yeah! Das hören Mama und Papa gerne, es wird nicht geraunzt, ganz im Gegenteil, plötzlich haben wir zwei kleine Bergführer, die uns den Weg zeigen möchten …

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Da „müssen“ wir durch! Den Kindern taugt das Abenteuer!

Vier Schneefelder müssen wir überqueren, die letzten Reste des Winters sind auf der Rax noch gut erkennbar. Bei der Überquerung der Schneefelder wird offensichtlich, dass auch die Kinder ordentliche Bergschuhe benötigen. Die „Turnpatschen“ sind selbst auf der Rax schon grenzwertig. Am Schneefeld gar nicht so ungefährlich. Gut – jetzt wissen wir’s.

In 1,5 Stunden schaffen wir vier den Weg jedoch nicht, wir haben leichte Überzeit. Um 15 Uhr sind wir schließlich am Karl-Ludwig-Haus. Wir haben es geschafft und sind stolz auf unsere Kinder, die offenbar unsere Bergsteiger-Gene mitbekommen haben, da sie diesen Weg so bravourös gemeistert haben. 🙂

Am Karl-Ludwig-Haus

Wer sich jetzt fragt, was wir dann den ganzen Nachmittag am Karl-Ludwig-Haus gemacht haben und ob uns nicht fad geworden ist, den kann ich beruhigen. Gut eine Stunde waren unsere Kinder damit beschäftigt, für „Clothilde“, eine stark behaarte Raupe, die offenbar nicht schnell genug war, eine Futterstation zu bauen. Außergewöhnlich war das Hagel-Unwetter, dass die Rax für kurze Zeit wieder in eine Winterlandschaft verwandelt hat. Dann Jausnen, Zimmer beziehen, und noch einige Spiele gespielt und schon war es wieder Abendessenszeit. Besonders erwähnenswert ist die tolle Auswahl an Spielen am Karl-Ludwig-Haus. Wir und unsere Kinder hatten bis zum Schlafen gehen unseren Spaß!

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Wenn es draußen mehr als eine halbe Stunde hagelt, ist es in der Hütte umso gemütlicher!

Gämsen im Nebel

Am nächsten Morgen ist der Hagel zwar geschmolzen, doch dichter Nebel liegt über dem Rax-Plateau. Nach dem Frühstück hat es schon etwas aufgeklart und wegen der doch dichten Wolken und dem langen Rückweg wollen wir nicht länger warten und machen uns wieder auf den Weg retour zur Seilbahn. Wegen der schlechten Sichtverhältnisse entscheiden wir uns heute für die längere Variante über den Trinksteinsattel, da dieser Weg weniger ausgesetzt ist. Dabei beobachten uns jede Menge neugierige Gämsen von den umliegenden Felsen – und wir sie. 🙂

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Unter einer dichten Nebeldecke machen wir uns auf den Rückweg zur Bergstation der Seilbahn.

Donnergrollen und erste Tropfen

Nachdem es kurz aufgeklart hat, werden die Wolken jedoch schnell wieder dichter. Von gleich zwei Seiten nähern sich die Unwetter. Regelmäßiges Donnergrollen zeigt uns an, dass es besser ist, auf Pausen zu verzichten und möglichst rasch weiter zu gehen. Unsere Kinder halten tapfer Schritt, kein einziges Gemurre ist zu hören. Aber wahrscheinlich ist ihnen nach dem gestrigen Hagelunwetter klar, dass sie bei Regen und Gewitter nicht mehr gehen, sondern möglichst schon angekommen sein möchten. Wir gehen also durch, gejausnet wird im Gehen und nach 3,5 Stunden kommen wir wirklich noch (fast) trocken beim Gasthof der Rax-Bergstaion an. Doch es war knapp, dicke Tropfen sind auf den letzten Metern schon gefallen, leicht genieselt hat es schon länger. Doch geschafft!

Diese 2-tägige Tour auf die Rax mit Hüttenübernachtung war ein Abenteuer, den Kindern und uns hat es Spaß gemacht und wir Großen freuen uns besonders, als die Kinder ungefragt, von sich aus meinen, jetzt regelmäßig wandern gehen zu wollen. „Aber nur Abenteuer-Wege! Keine langweiligen Traktor-Wege!“ Ist doch toll! Wir Großen können also schon mit der Planung für die nächste „spannende“ Tour beginnen.

Freude am Wandern

Falls ihr gerne mit euren Kindern wandern gehen möchtet, aber euch noch fragt, wie ihr sie motivieren könnt, dann lest einmal meine Tipps dazu!

9 Kommentare

  1. Ein inspirierender Bericht! Was mit Kindern alles geht, wenn sie dabei über Stock, Stein und Schnee hüpfen können und es so dramatische Naturschauspiele zu beobachten gibt, wie das der Natter und ihres Molches (tolles Foto!) Macht Lust auf Nachahmung 🙂

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  2. Erstaunlich, welch Kondition die Kinder aufwiesen. Offenbar wächst hier die nächste Bergsteigergeneration heran. Nur weiter so und viel Freude mit den Kid’s!

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  3. Hallo, unsere Kinder sind auch schon alt genug, um mit dem Wandern zu beginnen. Wir müssen halt noch etwas in die Ausrüstung investieren. Suche grad nach Rücksäcken die für Ausflüge und auch für Mehrtagestouren taugen – was verwendet ihr da?
    LG

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    1. Hallo Sandra! Je länger die Tour, desto größer der Rucksack. Mein Mann und ich tragen Gewand und Schlafsäcke der Kinder, die Kinder haben nur ganz kleine Rucksäcke mit Regenjacke, Crocs und Wasserflasche. Essen tragen wir. Mein Mann verwendet für Mehrtagestouren gerne einen 100 Liter Rucksack von Essl, da passt genügend hinein. Ich habe einen 75-Liter-Rucksack. Praktisch sind diverse Riemen am Rucksack, das haben aber alle und auch die im Handel erhältlichen Marken sind alle gut. Liebe Grüße

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      1. Danke – 100 Liter hört sich gut an, da kann dann der 2. Rucksack etwas kleiner ausfallen. Mein Mann schafft das schon 😉

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